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MAK

Full text : Monatszeitschrift XIV (1911 / Heft 6 und 7)

sitz der Kunsthalle in Hamburg -, kein Abbild „anmutiger Gelehrsamkeit", sondern eine

widerborstige, kantig-eckige, schrötige Menschlichkeit mit strähnigem Vollbart, ungefügem

Rock und scharfen Forscheraugen hinter den funkelnden Brillengläsern.

Einmal sitzend gegen das schlichte Bücherbrettregal, in der zweiten Fassung im

Dekantalar vor dem breiten Fenster stehend, vor dem Hintergrund hereinscheinender

Bäume, Dächer und Kuppeln. Als ein echter Corinth, fleischfroh, prangt dann das

Stillleben mit Rehen, Fasanen, Hasen, Trauben und der prallen, blumengeschmückten

Bacchantin.

Ein interessantes Bild bringt Corinths Frau, Charlotte Behrend. Die Studie eines

Malers von slawisch verbissen fanatischem Ausdruck, wirrern Haar und Terroristenaugen

hinter der Rundbrille. Schwarmgeistern aus einem Andrejewschen Drama gleicht er.

Ein Kabinett ward zur Sonderausstellung Max Slevogt eingeräumt. Hier schwingt '

pulsierendes, rassige: Leben in eleganten, vibrierenden Damenporträten voll prickelnden

Fluidums und in Herrenbildnissen voll Sportselan. Der l-Ierrenreiter in der Ulanka ist ein

äußerst schnittiges Kerlchen voll „Klasse", mit der federnd lässig schwanken Haltung

seines Leichtgewichts, in den Beinen sich wiegend. Und der Herr 0. H. (Wiesbaden)

im Autopelz, glattrasiert, mit dem gespannten Ausdruck des Kilometerfressers ist eine

bravouröse Type rnondäner Kraftwagenenergie. Dazu eine ganze Galerie bajuvarischer

Skizzen aus der höiischen Sphäre, eine Art Prinzregententheaters.

Der hohe Herr selbst, herzhaft und kernig, als Jäger und Landedelmann, wie er die

Enten am See füttert, wie er mit Gästen auf der weißen Terrasse eines Nymphenburger

Parkpavillons zu Abend speist. Weiter eine Menge Studien aus dem Zeremonial der

Georgiritter voll malerischer Magie.

Bei den Seelen- und Trauermessen leuchtet im schwarzdüsteren Raum der Glanz

der blauen Mäntel, der rotbehängten Katafalke und zitternden Kerzengefunkels auf,

ein Prunk- und Trachtenstück voll Glanz" und Glorie ist die ritterliche Festtafel. und den

Schluß macht nach den Herrschaften die Hatschierwache in hellblau-weiß bayrischer

Pracht an der Kneiptafel beim Maßkrug.

Von den Beiträgen der andern alten Mitglieder der Sezession seien kurz genannt

Baluscheks Berliner Ausschnitte, die Lumpensammleridylle und der Mittag in der Fabrik

mit dem Zug der Frauen in Umschlagtüchern. Dies Bild wurde von der Stadt, der Baluschek

seit ]ahren unermüdlich künstlerisch dient, erworben, vermutlich für das märkische

Museum, das jetzt, ähnlich wie die Hamburger Kunsthalle, Gegenwartsdokumente

für die Zukunft sammeln will. Ferner Fritz Rheins Porträte adeliger Damen, sehr

distinguiert, am fesselndsten das der Frau von B. mit den edlen Händen und der schlichten

altmodischen Einfachheit des Kleides. Sie gleicht einer schönen Seele, einer Stillen im

Land, etwas Nathusiushaftes, etwas Herrnhuterisches liegt über dem blassen, unirdischen

 Gesicht.

Kalckreuth malt den Vorstand des Künstlervereines in Weimar als ein niederländisches

Regenten- und Repräsentationsstiick mit Schaube, Halskrause und Tonpfeife.

Wilhelm Trübners gesammelte Reifekunst spricht aus dem Bild der Dogge, wahrhaft

 ein Velasquez-Porträt, grau im graugrünen Fond, mit dem leichtgeneigten lebensvollen

Kopf und aus dem Rosenzaun mit nickendem Rot und durchsonntem Blattgrün und

wehenden Schatten.

Orlik, der mit geschwindem Stift alle interessanten Gegenwartsmomente aufpickt

und in seinem Notizbuch nach Hause trägt, hat Max Reinhardt bei der Faustprobe festgehalten.

 Er bannt gut die merkwürdige Raumstimmung der im Helldunkel schwimmenden

Bühne mit Gerüsten, Laufstegen und Maschinerien und dazu in einer Ecke in einem Verschlag,

 scharf belichtet von einer Blendglühlampe, der mit allen Sinnen angespannte

Kopf des Generalissimus dieses Zwischenreiches. Ornamentale Künste in der Landschaft

läßt Walter Klemm spielen. Die Rodelbahn wird zu einem Schattenreigen von Flattersilhouetten

 auf weiß glitzernder Gleitiläche, und in den Eishauern am Fluß kristallisiert er
            
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