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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1868 / 30)

Die wichtigsten Farben mineralischen Ursprungs haben einen erdigen Charakter;

jene pflanzlichen und thierischeu Ursprunges, die diese Beschatfenheit nicht haben, erhalten

denselben durch Zusätze. Nur sogenannte deckende Farben finden bei der Tapetenerzengnng

 Anwendung.

Zu den wichtigsten weissen Farbstoffen gehört die Kreide und die Thonerde. Sie

nehmen keinen Glanz an. Trotzdem hat man letztere iu Frankreich unter der Bezeichnung

 „Blaue Bougival" in grossen Mengen zu billigen Tapeten verwendet; Tausende von

Centnern der Erde von Bougival exploiürt jetzt die Industrie.

Gefährlich für die Gesundheit sind die arseniksäurehaltigen grünen Farben; werden

diese nicht sehr gut am Papier befestigt, so sind sie von grosser Schädlichkeit für den

menschlichen Organismus.

Die Verwendung dieser giftigen Farben hat bei den Tapeten mehr nachgelassen als

bei Ballkleidern und künstlichen Blumen, aber leider auch nicht ganz aufgehört; dem

Chemiker ist es leicht, dieselben nachzuweisen ').

Die Anilinfarben , jene herrlichen , tausendfiiltig nuancirten Farben , welche

deutsche Chemiker, unter ihnen namentlich Hoffmann, aus dem Steinkohlentheer darzustellen

 lehrten, wurden, nachdem sie allgemein bekannt geworden waren, excessiv verwendet.

 Unvermengt und intensiv aufgetragen sind sie aber zu grell und schreiend. Nur

eine Zeit lang liess man es sich gefallen, die ganze Farbenharmonie der Wohnräume so

empündlich gestört, die Toiletten, ja die Schönheit der Damen so wesentlich beeinträchtigt

 zu sehen. Die Mode ist verschwunden und jetzt wird man masshaltend diese

Farbmittel als eine unschätzbare Bereicherung unserer bisherigen Farbstoffe ansehen

können. Gewisse Farben werden von keinem Volke in solcher Schönheit gewonnen, als

von den Deutschen. Ich nenne nur das Ultramarin.

Aber mit der Farbe allein begnügt sich unsere Tapete nicht. Sie will auch durch

Glanz anziehen und deshalb gehören das Gold, das Silber, die Firnisse auch zu den Materialien

 der Tapeteu-Fabrication. Befriedigung wird es gewähren, zu vernehmen, dass

auch das zur Tapeten-Fabrication verwendete Gold (falsches Blatt- und Pulvergold) in

Baiern in unerreichter Menge erzeugt wird ").

Nachdem ich nun auseinandergesetzt. dass wir die Hauptrohstoiie für die Tapete,

d. i. Papier und Farben, in grösster Vollkommenheit besitzen, gehe ich zur Erzeugung der

Tapeten über.

Die Erzeugung des Dessins auf der Tapete ist ein Drnckverfahren. Vor demselben

war das Auftragen der Farben mit Schablonen in Schwung. Dies war aber nur ein Vorbereitungsstadium,

 das Alterthum der Papiertapeten-Erzeugung. Es wiihrte bis in die

ersten Jahre unseres Jahrhunderts, wo die Druckerei rnit dem Model beginnt.

Der Madel ist eine aus Birnbaurnholz angefertigte Platte, welche auf der einen

Seite die Handhabe, auf der andern Seite den betreßenden Dessin erhaben ausgeschnitten

trägt. Der Model wird zuerst mit einem mit Farbe getränkten Tuche in Berührung gebracht,

 wodurch die erhabenen" Stellen mit Farbe versehen werden, die durch Aufpressen

des Models auf die Tapete wieder abgegeben wird.

Dieses Druckverfahren ist der Zengdruckerei entnommen, wie überhaupt die Tapetendruckerei

 eine Tochter der Zeugdruckerei ist. Wir werden noch Gelegenheit haben,

bei Besprechung des Walzendruckes darauf zurückzukommen.

Der Modeldruck blieb lauge Zeit hindurch privilegirt und ist heute noch für feinere

Producte allein herrschend.

Vor dern Bedrucken wird auf die Tapete eine Grundfarbe aufgetragen. Dies geschah

 bis in die neueste Zeit aus freier Hand durch mehrere Arbeiter.

Nach dem Grundiren und nach dem jedesmaligen Druck wurde die Tapete getrocknet,

 was durch Aufhängen in einem geheizten Locale geschah.

Das Fertigmachen der Tapete, z. B. das Satiniren, geschah dann ebenfalls durch

Händearbeit.

Die Tapetenerzeugung war also auch nach dem Verwerfen der Schablone - wühreud

 der ausschliesslichen Herrschaft des Models, welche Periode man das Mittelalter der

Papiertspete nennen könnte - nur Manufactur im engsten Sinne des Wortes.

Heute ist die Tapetenerzeugung Fabrication geworden. Fast alle Arbeiten, abgesehen

 von der Erfindung und ersten Verkörperung des Dessins, machen Maschinen. und

es gehören dieselben zu den scha-rfsiunigst erdachten und zu denjenigen, deren Spiel zu

beobachten höchst anziehend ist.

') Die Firma Zuber in Rlxheim lllt in dem Gulgnelrcrün einen Ersatz fllr du Scheehsche und

Schweinfurlsr Grün gewonnen.

d u) Der Nürnberger .1. l-llutsch (im) arfsnd du Nsugold, das au Stelle des Gllrnrners verwende:

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