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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XV (1880 / 175)

Ebenderselbe architektonische Charakter des barocken Eisengitters 
veranlasste aber auch eine Umänderung in der Form des Stabwerkes. 
Der runde Zein der früheren Zeit tritt in den Hintergrund und weicht 
dem viereckigen Stabe, welcher an den constructiven Theilen als Analogon 
des eckigen Steinbalkens nun allein am Platze erscheint. Der architek- 
tonische Pilaster wird nun sozusagen transparent dargestellt, indem der 
Raum zwischen zwei Einfassungsleisten mit dünnem Schnörkelwerk gefüllt 
wird, dazu kommen getriebene oder aus Blech geformte Capitäle, Vasen, 
wie sie am Gebäude Dach und Geländer zieren, ebenso plastische Wappen, 
Figuren und Monogramme, den oberen Abschluss bildet in der Regel beim 
Thote, wenn es von keinem gemauerten Rahmen eingeschlossen ist, der 
Volutengiebel des römischen Jesuitenstiles. Das alte Füllungsmotiv der 
Ranke tritt in streugerer Weise bei solchen Gittern des Barockstiles an- 
länglich noch zuweilen entgegen - einige unserer älteren Beispiele in der 
genannten Sammlung geben davon Zeugniss - später verdrängt es das 
von der Stuccodecoration des vergoldeten Plafonds und der Wände her- 
kommende Motiv des rautenförmigen Netzes. Die Blumen verlieren ihre 
einstmalige Korkzieherform und werden mit den zierlichsten Nachahmungen 
natürlicher Bouquets und Guirlanden in Blecharbeit vertauscht, endlich 
findet das Motiv der ausgeschnittenen Decke mit angehängten Quasten in 
derselben Technik sehr häufige Verwendung. - 
Wenn die Prachtgitter und sonstigen Eisenwerke Altwiens vorzugs- 
weise den Charakter der französischen Barocke manifestiren, so kann uns 
solches keineswegs Wunder nehmen. Zur Zeit Karls Vl. beherrschten aller- 
dings die ltaliener, welche damals in Schaaren nach dem gesegneten Oester- 
reich gezogen kamen, noch immer das Terrain, und die Architektur, stets 
diejenige unter den Künsten, welche den Typus ihrer Schwestern bestimmt 
hatte, trug in den Händen ihrer vornehmsten Vertreter, der Fischer, Mar- 
tinelli etc. durchaus noch ein wälsches Gewand, aber schon Hildebrand 
mit seiner epochemachenden Schöpfung des Belvederes schlug entschieden 
die französische Richtung ein, welche unter Maria Theresia und Joseph 
in Geltung blieb. Dazu kommt ferner der wichtige Umstand, dass der 
Chsrakterder gestochenen Mustervorlagen, deren Einfluss auf das damalige 
Kunsthandwerk in der Regel zu gering geschätzt wird, ein vorherrschend 
französischer war. Die verbreitetsten Handbücher und Musterblätter dieser 
Art, die zu jener Zeit in Aller Händen waren, athmen denselben Geist, 
so jene Johann Daniel Preisslefs aus Nürnberg (1666-1737), Gottfried 
Bernhard Götz' in Augsburg (1708-4774), Franz X. Habermamfs, daselbst 
(1721-1796), Johann Michael Feichtmavfs, daselbst u. v. A. Auch dürfen 
wir nicht übersehen, dass seit 1758 in der Residenz über Veranlassung 
des umsichtigen Fürsten Kaunitz eine Schule für Fabrikanten errichtet 
war, in der nach Kurzbeclös ausdrücklicher Bemerkung auch Schlosser 
nebst anderen Gewerbetreibenden Beschäftigung und Unterweisung fanden, 
und dass Kaunitz während seines Aufenthaltes in Paris auf diesen Gedenken
	        

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