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dass sie keine deutliche Vorstellung mehr von der Nothwendigkeit haben,
das Volk zu einer arbeitenden Gesellschaft zu erziehen. Dass die Bedeutung
der Hausindustrie und der Handwerksunterricht in der Volksschule
so wenig gewürdigt wird, ist wohl zumeist dem Umstande zuzuschreiben,
dass ein großer Theil unserer Nationalökonomen die ethischen und künstlerischen
Factoren, welche bei der Fürderung des Natinnalwohlstandes in
Betracht kommen, zu wenig berücksichtigen. Mir scheint es ganz unrichtig,
dass man das Geld und den Geldwerth als den einzigen Maßstab
für die Beurtheilung des Nationalwohlstandes hinstellt. Es ist ganz richtig,
dass sich das Wachsthum des Nationalwohlstandes sehr leicht übersehen
lässt durch Ziffern, welche den Geldwerth repräsentiren; doch dieser einfache
Calcul scheint mir als eine recht trostlose Auffassung des Volkslebens.
Zu dem Wohlbefinden einer Nation gehört ganz zweifellos auch
das Familienglück, die Freude, welche die künstlerische Production, und
sei sie noch so bescheiden, bereitet und die Befriedigung des Gemüthslebens,
die unbewusst in die Production übergeht und den Werth des
Producirten erhöht. Die einfachsten Arbeiten des Mittelalters und der
Renaissance würden uns keine solche Freude bereiten, wenn sie nicht dem
Umstande ihre Entstehung zu verdanken hätten, dass sie aus der inneren
Freude an der Arbeit hervorgegangen sind. Diese Factoren müssen wohl
in Anschlag gebracht werden, und zwar in viel höherem Grade, als die
meisten Nationalökonomen glauben, denn sie tragen zur Steigerung des
Nationalwohlstandes in bedeutendem Maße bei. Es müssen die Menschen
heutigen Tages nicht blos reicher, sondern auch arbeitsamer und zufriedener
werden. Wenn das Streben der Menschen nur immer und immer
dahin geleitet wird, Geld zu verdienen, so werden alle besseren Gefühle
und Stimmungen der Seele unterdrückt und ein Unbehagen in die arbeitende
Gesellschaft hineingeworfen, was der Arbeit selbst und den Arbeitsproducten
in keiner Weise zu Statten kommt. Eine Gesellschaft, die von
der Geldgier beherrscht ist, ist unzufrieden, und dies ist auch die Signatur
unserer modernen Zeit. Insbesondere durch die bürgerliche und arbeitende
Gesellschaft geht dieser Zug von Unzufriedenheit und Missbehagen, der
auch zersetzend auf den Staat einwirkt. Aber unsere Schule, losgelöst
von der Familie, nicht im Zusammenhange stehend mit der Arbeitsthätigkeit
im Hause, erzieht eine Jugend, die an der Arbeit selbst keinen Gefallen
findet. Darum legen wir auf die Hausindustrie einen so großen
Werth, weil sie diese sittlichen Güter und die künstlerische Bildung des
Volkes in weit höherem Grade zu vermehren im Stande ist, als dies bei
einer Gesellschaft erwartet werden kann, welche keine Hausindustrie hat
und welche nicht bereits in der Schule daran gewöhnt wurde, die Arbeitsthätigkeit
zu pflegen.