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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIX (1884 / 222)

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dass sie keine deutliche Vorstellung mehr von der Nothwendigkeit haben,

das Volk zu einer arbeitenden Gesellschaft zu erziehen. Dass die Bedeutung

 der Hausindustrie und der Handwerksunterricht in der Volksschule

so wenig gewürdigt wird, ist wohl zumeist dem Umstande zuzuschreiben,

dass ein großer Theil unserer Nationalökonomen die ethischen und künstlerischen

 Factoren, welche bei der Fürderung des Natinnalwohlstandes in

Betracht kommen, zu wenig berücksichtigen. Mir scheint es ganz unrichtig,

 dass man das Geld und den Geldwerth als den einzigen Maßstab

für die Beurtheilung des Nationalwohlstandes hinstellt. Es ist ganz richtig,

dass sich das Wachsthum des Nationalwohlstandes sehr leicht übersehen

lässt durch Ziffern, welche den Geldwerth repräsentiren; doch dieser einfache

 Calcul scheint mir als eine recht trostlose Auffassung des Volkslebens.

 Zu dem Wohlbefinden einer Nation gehört ganz zweifellos auch

das Familienglück, die Freude, welche die künstlerische Production, und

sei sie noch so bescheiden, bereitet und die Befriedigung des Gemüthslebens,

 die unbewusst in die Production übergeht und den Werth des

Producirten erhöht. Die einfachsten Arbeiten des Mittelalters und der

Renaissance würden uns keine solche Freude bereiten, wenn sie nicht dem

Umstande ihre Entstehung zu verdanken hätten, dass sie aus der inneren

Freude an der Arbeit hervorgegangen sind. Diese Factoren müssen wohl

in Anschlag gebracht werden, und zwar in viel höherem Grade, als die

meisten Nationalökonomen glauben, denn sie tragen zur Steigerung des

Nationalwohlstandes in bedeutendem Maße bei. Es müssen die Menschen

heutigen Tages nicht blos reicher, sondern auch arbeitsamer und zufriedener

 werden. Wenn das Streben der Menschen nur immer und immer

dahin geleitet wird, Geld zu verdienen, so werden alle besseren Gefühle

und Stimmungen der Seele unterdrückt und ein Unbehagen in die arbeitende

 Gesellschaft hineingeworfen, was der Arbeit selbst und den Arbeitsproducten

 in keiner Weise zu Statten kommt. Eine Gesellschaft, die von

der Geldgier beherrscht ist, ist unzufrieden, und dies ist auch die Signatur

unserer modernen Zeit. Insbesondere durch die bürgerliche und arbeitende

Gesellschaft geht dieser Zug von Unzufriedenheit und Missbehagen, der

auch zersetzend auf den Staat einwirkt. Aber unsere Schule, losgelöst

von der Familie, nicht im Zusammenhange stehend mit der Arbeitsthätigkeit

 im Hause, erzieht eine Jugend, die an der Arbeit selbst keinen Gefallen

 findet. Darum legen wir auf die Hausindustrie einen so großen

Werth, weil sie diese sittlichen Güter und die künstlerische Bildung des

Volkes in weit höherem Grade zu vermehren im Stande ist, als dies bei

einer Gesellschaft erwartet werden kann, welche keine Hausindustrie hat

und welche nicht bereits in der Schule daran gewöhnt wurde, die Arbeitsthätigkeit

 zu pflegen.
            
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