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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1876 / 131)

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leien mit der Wohnung des Secretärs und noch Wohnungen für Diener 
- lauter Räume, von welchen die meisten ganz eigene Bedingungen mit 
Rücksicht auf die Art der Beleuchtung mit sich bringen - untergebrächt 
werden mussten, so wird man einsehen, dass die Schwierigkeiten, welche 
eine harmonische und künstlerische Erfüllung solcher Bedingungen bei 
der Ausführung eines Gebäudes bietet, in dem die Regeln der Kunst ge- 
lehrt werden sollen, nicht so ganz leicht zu lösen sind, wenn keine Ver- 
stösse gegen diese Regeln begangen werden sollen. 
Dieses vorausgeschickt, gehe ich zur Erklärung der Pläne über. 
(Schluss folgt.) 
Dle Münchener Kunatgswerliesehule. 
Jene Gruppe monumentaler Gebäude, welche den in seiner Art einzigen Königs- 
platz umschliesst. bildete zusammen mit den benachbarten Pinakotheken lange Jahre die 
nordwestliche Grenze unserer Stadt. Heutzutage sehen wir nach dieser Richtung hin das 
Weichbild der Stadt bedeutend vorgernckt: Bauwerke verschiedener Art haben sich auf 
dem gewonnenen Raume gelagert und füllen mehr und mehr das angelegte Netz der 
Strassen aus. ' 
Unter den in diesem neuen Stadtviertel in jüngster Zeit aufgeführten Bauten von 
architektonisch hervorragender Bedeutung macht sich besonders die Gattung der Lehr- 
anstalten bemerkbar. welche meist mit Vorliebe die Nähe der classischen Vorbilder und 
damit zugleich der herrlichen Sammlungen der Plastik und Malerei, wie sie unsere _Glyp- 
tothek und die Pinakotheken bergen, aufsuchten. Den Anfang unter diesen Instituten 
machte das -Polytechnikumu, dann folgten einige "Communalschulen- und jetzt erblicken 
wir an der Ecke der Luisene und Gabelsbergerstrasse die bereits im Rohbau fertig ge- 
stellte v-lndustrieschule-i. während sich dieser zur Seite erst kurz unsere wKunstgewerbe- 
schule-i in den verlassenen Räumen der alten Glasmalerei häuslich niedergelassen hat. 
Die Fortsetzung dieser Reihe von Schulbauten nach Osten hin wird nun ebenfalls nicht 
mehr lange auf sich warten lassen. indem man auf dem Felde gegen Schwabing zu binnen 
wenigen Wochen schon die kolossalen Fundamentirungen der zukünftigen -Kunstakademien 
den Bnden durchkreuzen sehen wird. Allerdings müssen wir die Placirung der letzteren, 
trotz der Nähe der Museen. aus mehrfachen Gründen als ungünstig betrachten. Unter den 
erwähnten Lehranstalten mochten wir diesmal die dem Kunstgewerbe gewidmete Schule 
sammt ihrem nicht unwesentlich vergrosserten Gebaude in's Auge fassen. 
Da bei der diesjährigen grossen Ausstellung die Augen aller Kunstfreunde auf das 
Kunstgewerbe gerichtet sind. dürfen wir hohen. die folgenden nrientirenden Notizen über 
das vorgenannte Institut nicht uhne lnteressc aufgenommen zu sehen. l . 
Die Kunstgewerbeschule verdankt ihre Entstehung eben jenem tliätigen Verein, 
dein hiesigen Kunstgeiverbeverein, welcher auch der Urheber der jetzigen Ausstellung ist. 
Mit der Gründung desselben vor 25 Jahren wurde zugleich eine Vereinsschule in's heben 
gerufen, welche erst im Jahre i868 die Umwandlung in eine Stiiatsschule erfuhr. Hierbei 
hielt man vorerst an einem bescheidenen Maßstabe fest, indem man derselben als Local 
die. jetzt für das Gypsmuseum bestimmten me des Galeriegebaudes der nördlichen 
Hofgartenarkaden zutheilte. Im Jahre i872 erhielt die Anstalt als Zuwachs eine weibliche 
Abtheilung, gebildet aus der von Privaten unternommen gewesenen i-Kunstschule Mr 
Mädchem; dieselbe fand indess unter den Arkaden keinen Platz, sondern musste in Privat- 
ateliers untergebracht werden. In diesem, allerdings immer als provisorisch betrachteten 
Zustande der Beengung und Zertheilung, war die Kunstgewerbeschule nicht wenig in 
ihrer Wirksamkeit gehemmt. Man gewann aber auch die Ueberzeugung, dass dieselbe, 
wenn sie gleiche Resultate wie ihre Vorgängerinnen in Nürnberg und -Wien Zerzieleti 
sollte. nicht nur in eine leidliche Lage, sondern auf einen: wirklich bedeutenden Fuss ge- 
stellt werden müsse. Dies führte dazu, ihr das. durch Aufhebung der Glasmalerei ver- 
fügbar gewordene. ansehnliche Gebäude in der Luisenstrasse einzuräumen. Dasselbe 
empfahl sich für diesen Zweck namentlich auch dadurch. dass gewisse bauliche Einrich- 
tungen. welche für das Glasbrennen gedient hatten, eben hiefür, wie für das Emailliren 
und andere Techniken weiter benützt werden konnten. lm Uebrigen erwies sich ein 
durchgreifender Umbau des Innern. sowie das Aufsetzen eines zweiten Stockwerltes und 
das Anfügen eines Parterreflugels nach Norden als unumgänglich nothwendig.
	        

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