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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVII (1882 / 205)

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ein Künstler in seiner Art -- ist berufen, nur Werke zu schaffen, die der 
Industrie als Muster des Erreichbaren, als Sporn zur Nacheiferung dienen 
sollen. Und wer Augen hatte zu schauen, konnte bei Gelegenheit der 
Weltausstellungen den Einfluss von Sevres, den Nutzen dieser Institution 
für die heute enorm entwickelte französische Gesammt-Porzellanindustrie 
leicht erkennen. 
Heute wird in Frankreich in 102 Fabriken von 14.000 Arbeitern 
Porzellan erzeugt, die jährliche Production erreicht den Werth von 
43,6oo.ooo Francs, wovon für 14'], Millionen exportirt wird. 
Zunächst an Umfang kommt ihr am Continente unsere österreichische 
Porzellanindustrie nahe, die über den mächtigen Kaolinlagern der Um- 
"gebung von Karlsbad in Böhmen erstanden ist. Leider ist diese Fabrication 
bis in die letzte Zeit einer höheren Kunstentwicklung fast ganz ferne ge- 
blieben und beschränkte sich zumeist auf die Erzeugung couranter Massen- 
artikel und Gebrauchsgeschirre. Bei dem Mangel einer Specialisirung 
musste sich daraus im Laufe der Zeit ein unerträglicher Concurrenzdruck 
fühlbar machen, der den Werth unserer Porzellanproducte auf eine un- 
glaubliche Tiefe herabdrückte. 
Aber wie wird denn eigentlich Porzellan gemacht? 
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Ich habe absichtlich die technischen Erörterungen zum Schlusse 
meiner gedrängten Skizze aufgehoben; wir haben die Entwicklung der 
Industrie historisch bis zu unserer Zeit verfolgt, nun wollen wir auch 
unser heutiges Verfahren kennen lernen. 
Die beiden Grundlagen des Porzellans, Kaolin und Feldspath, stehen 
in sehr naher Beziehung zu einander. Der Feldspath, ein hartes, 
weißes Mineral, ist ein Bestandtheil vieler Urgesteine, namentlich des 
Granits, des Gneiß', Porphyrs etc., in welchen er gemengt mit Quarz 
und Glimmer erscheint. 
Durch den dauernden Einfluss der Atmosphärilien, Luft, Kohlen- 
säure und Wasser, zersetzen sich diese Gesteine, resp. der Feldspath in 
ihnen, und werden endlich zu einer bröckligen, mürben Masse, dem 
Kaolin. 
Der Feldspath - eine Doppelverbindung der Kieselsäure mit Thon- 
erde und Alkali - verliert dabei den letzteren Bestandtheil, der durch 
das Wasser ausgelaugt 'und weggeführt wird, und der zurückbleibende 
Kaolin ist nun mehr oder weniger kieselsaure Thonerde. 
So haben sich im Verlaufe enormer Zeiträume die mächtigen Kaolin- 
stöcke von Karlsbad, St. Yrieux, Halle, Cornwallis u. s. f. gebildet. 
Um die reine Thonsubstanz aus dem bröckligen Rohkaolin zu ge- 
winnen, wird derselbe meist an Ort und Stelle einem Schlämmprocesse 
unterworfen. Man rührt die Masse mit Wasser zu einem Schlamme an, 
der dann durch ein System von Rinnen und Bottichen geleitet wird. Die 
groben Körner unzersetzten Gesteines setzen sich zu Boden, während die
	        

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