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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1867 / 20)

Q1441

Vcrtheilung der Felder im innem und liussern Ringe beide Ringe vollkommen gleich

neutral grau sind. Man wiirde z. B. zu einem bestimmten feurigen Orange das Cornplemcnt

 suchen. ln ChevrenPs Farhenkreisen findet man demselben Blau gegenüber.

Auf dem Kreisel gemischt, gaben diese zwei Farben aber nicht das erwartete Grau,

sondern hell Purpur - Rosa; dieses Blau ist folglich nicht complementlir zu dem Orange,

sondern das Complcment liegt mehr gegen Grün. Man schaltet desshalb noch Grün ein

und findet, dass in diesem Falle die drei Farben auf dem in 100 Thcile getheilten Kreise

sich folgendermaßen vertbeilen müssen , um gemischt Grau zu geben: 27'5 Theile

Orange + 32th Blau + 40 Grün geben ein Gmu, welches in der Mitte des Kreisels durch

345 Weiss + 65'5 Schwarz ebenfalls erhalten wird. Um das Complernent zu Orange

zu finden, braucht man blos den Kreisel im Verhältnisse 32'5 :: 40, also mit 45 Blau und

mit 55 Grün zu belegen und diese Farben durch rasches Drehen zu mischen. Der Beweis,

dass diese Methode richtig ist, wurde geliefert, indem auf dieselbe Weise aus Orange und

Grün das Complemeut zu dem verwendeten Blau gefunden wurde, welches vollkommen in

der Tinte mit einem zu dem Blau complementir gefärbten gelben Papier iibereinstimmte.

Auch mit dem Kreisel gelingt es nur selten, die Complementärfarbe von gleicher physiologischer

 Intensität herzustellen. Dies leistet in ganz vorzüglicher Weise Brüek e's Schistoskop.

 Im Kalkspath wird bekanntlich jeder gewöhnliche weisse Lichtsnahl in zwei ebenfalls

 weiase Lichtstrahlen von der halben Intensität getheilt. Wendet man statt eines

Kalkspsthprisrusfs zwei eigenthümlich geschlißene, sogenannte NicoPsche Kslkspathprismen

an, und legt zwischen dieselben ein ebenfalls doppelthrechendes dünnes Gyps- oder Glimmerplättchen,

 so wird ein durchfallender weisser Lichtstrahl unter Umständen in zwei gefiirbte

zerlegt. Da. man sich das weises Licht aus lauter Cumplemsntärfarbenpaaren zusammengesetzt

 denken kann, so fällt z. B. in einem Fall auf eine Seite alles blaue Licht, man

bekiinnnt ulso da ein sehr gesiittigtes aber ziemlich wenig intensives Blau; auf die andere

Seite liillt ein physiologisch eben so intensives Gelb, - es ergänzte ja früher das Blau zu

Weins - das aber durch die noch beigemischten übrigen Complementiirfarbenpaare, die

sich immer zu Wciss ergänzen, bedeutend an Sättigung verloren hat. Dies Weiss kann

aber auch glcichrni-Lssig zwischen beide Theilfarhcn vcrtheilt sein; dann sind sie nicht nur

von gleicher physiologischer Intensität, sondern auch von gleicher Sättigung. Legt man

verschieden dicke Gyps- oder Glimmerplättchen unter, so wird das Lieht nach den mannigfaltigsteu

 Furbenpaarcn getheilt, was von der Wellenlänge der verschiedenen Lichtsorten

abhängt. Sucht man nun das Complement zu einer Farbe, so sucht man dieselbe zunächst,

indem man verschieden dicke Gypspliittchen unterlegt, und findet dann gleich an der correspondirenden

 Stelle des zweiten Sehfeldes genau die Complementärfarbe.

Wcnn man nach einer der eben angegebenen Methoden Blau mit Weiss mischt, so

erhält man nicht ein helleres Blau, sondern ein helles Violet - Lils. Dass nicht etwa

das belgemischte Weiss durch Absorption der blaugrünen Strahlen röthlich sei, beweist

ein Versuch mit blauem Glaso, welches vor das Auge gehalten wird, so dass es blos die

halbe Pupille deckt, während das Auge gegen den mit hellen Wolken bedeckten Himmel

oder gegen eine Schneeiiäche gewendet wird. Dann entsteht an der Grenze des wciss und

blau gefärbten Thciles des Gesichtsfeldes ein lila gefärbter Streifen durch Mischung dieser

beiden Lichtsorten. Wir müssen daraus schliessen, dass das für weiss gehaltene Tageslicht

 in der That roth sei. Sehen kann man die rothe Farbe des Tageslichts, wenn man

sich z. B. mit der linken Seite in die Nähe des hell erleuchteten Fensters stellt und, wlihrend

 man ein weisses Papier betrachtet, abwechselnd das linke und rechte Auge schliesst.

Man sieht dann mit dem linken Auge, welches von dißusem, durch die mit Blut gefüllten

Häute des Auges eingedrungenen Scitenlicht gegen rothes Licht abgestumpft ist, das Papier

grün, mit dcm bescbatteten und für jeden Reiz gleich empiiinglichen rechten Auge in der

wirklichen Farbe, nämlich röthlich. Für die Richtigkeit dieser Erklärung wäre noch aufzuführen,

 dnss man bei dem vollkommen wcissen elektrischen Kohlenliclnt dies Ausweichen

aus der Farbe nicht findet, ferner dass bei Maguesiumlicht ein Ausweichen gegen Violet

stattfindet Warum nennen wir aber das rothe Tageslicht doch weiss? Wir nennen überhaupt

 Körper weiss, wenn sie das dominirende Licht unverändert rcflcctiren. Nach liingerem

 Tragen einer blassgrünen Brille wird man gegen das Grün, welches jetzt das doiniuirende

 Licht ist, endlich so abgestnmph, dass die grüne Farbe der sonst weissen Gegcnstäindc

 gar nicht mehr anfällt. Wir nennen bei künstlicher Beleuchtung dieselben Gcgenstände

 wic bei Tage weiss und doch sind sie entschieden gelb, da unsere gewöhnlichen

 künstlichen Lichtquellen relativ arm an blauen und violetten Strahlen sind. Diese

Eigenschaft ist die Ursache, dass blaue Stoffe Abends unscheinbar oder grün, falls sie

ansser dem hlaueu vicl grünes, oder selbst roth erscheinen, falls sie viel rothes Licht,

welche Sorten im Kerzenlicht reichlicher vertreten sind, retlectiren. Das letztere thuu z. B.

die Vergissmeinnichtbliimchen. Aus demselben Grunde sind weissc und gelbe l-Iaxidschuhe

Abends kaum zu unterscheiden, weil sich das für Gelb charakteristische Ahsorptionsvermögen

 für blaue Strahlen nicht geltend machen kann.
            
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