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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1867 / 20)

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Vcrtheilung der Felder im innem und liussern Ringe beide Ringe vollkommen gleich 
neutral grau sind. Man wiirde z. B. zu einem bestimmten feurigen Orange das Corn- 
plemcnt suchen. ln ChevrenPs Farhenkreisen findet man demselben Blau gegenüber. 
Auf dem Kreisel gemischt, gaben diese zwei Farben aber nicht das erwartete Grau, 
sondern hell Purpur - Rosa; dieses Blau ist folglich nicht complementlir zu dem Orange, 
sondern das Complcment liegt mehr gegen Grün. Man schaltet desshalb noch Grün ein 
und findet, dass in diesem Falle die drei Farben auf dem in 100 Thcile getheilten Kreise 
sich folgendermaßen vertbeilen müssen , um gemischt Grau zu geben: 27'5 Theile 
Orange + 32th Blau + 40 Grün geben ein Gmu, welches in der Mitte des Kreisels durch 
345 Weiss + 65'5 Schwarz ebenfalls erhalten wird. Um das Complernent zu Orange 
zu finden, braucht man blos den Kreisel im Verhältnisse 32'5 :: 40, also mit 45 Blau und 
mit 55 Grün zu belegen und diese Farben durch rasches Drehen zu mischen. Der Beweis, 
dass diese Methode richtig ist, wurde geliefert, indem auf dieselbe Weise aus Orange und 
Grün das Complemeut zu dem verwendeten Blau gefunden wurde, welches vollkommen in 
der Tinte mit einem zu dem Blau complementir gefärbten gelben Papier iibereinstimmte. 
Auch mit dem Kreisel gelingt es nur selten, die Complementärfarbe von gleicher physio- 
logischer Intensität herzustellen. Dies leistet in ganz vorzüglicher Weise Brüek e's Schisto- 
skop. Im Kalkspath wird bekanntlich jeder gewöhnliche weisse Lichtsnahl in zwei eben- 
falls weiase Lichtstrahlen von der halben Intensität getheilt. Wendet man statt eines 
Kalkspsthprisrusfs zwei eigenthümlich geschlißene, sogenannte NicoPsche Kslkspathprismen 
an, und legt zwischen dieselben ein ebenfalls doppelthrechendes dünnes Gyps- oder Glimmer- 
plättchen, so wird ein durchfallender weisser Lichtstrahl unter Umständen in zwei gefiirbte 
zerlegt. Da. man sich das weises Licht aus lauter Cumplemsntärfarbenpaaren zusammen- 
gesetzt denken kann, so fällt z. B. in einem Fall auf eine Seite alles blaue Licht, man 
bekiinnnt ulso da ein sehr gesiittigtes aber ziemlich wenig intensives Blau; auf die andere 
Seite liillt ein physiologisch eben so intensives Gelb, - es ergänzte ja früher das Blau zu 
Weins - das aber durch die noch beigemischten übrigen Complementiirfarbenpaare, die 
sich immer zu Wciss ergänzen, bedeutend an Sättigung verloren hat. Dies Weiss kann 
aber auch glcichrni-Lssig zwischen beide Theilfarhcn vcrtheilt sein; dann sind sie nicht nur 
von gleicher physiologischer Intensität, sondern auch von gleicher Sättigung. Legt man 
verschieden dicke Gyps- oder Glimmerplättchen unter, so wird das Lieht nach den mannig- 
faltigsteu Furbenpaarcn getheilt, was von der Wellenlänge der verschiedenen Lichtsorten 
abhängt. Sucht man nun das Complement zu einer Farbe, so sucht man dieselbe zunächst, 
indem man verschieden dicke Gypspliittchen unterlegt, und findet dann gleich an der cor- 
respondirenden Stelle des zweiten Sehfeldes genau die Complementärfarbe. 
Wcnn man nach einer der eben angegebenen Methoden Blau mit Weiss mischt, so 
erhält man nicht ein helleres Blau, sondern ein helles Violet - Lils. Dass nicht etwa 
das belgemischte Weiss durch Absorption der blaugrünen Strahlen röthlich sei, beweist 
ein Versuch mit blauem Glaso, welches vor das Auge gehalten wird, so dass es blos die 
halbe Pupille deckt, während das Auge gegen den mit hellen Wolken bedeckten Himmel 
oder gegen eine Schneeiiäche gewendet wird. Dann entsteht an der Grenze des wciss und 
blau gefärbten Thciles des Gesichtsfeldes ein lila gefärbter Streifen durch Mischung dieser 
beiden Lichtsorten. Wir müssen daraus schliessen, dass das für weiss gehaltene Tages- 
licht in der That roth sei. Sehen kann man die rothe Farbe des Tageslichts, wenn man 
sich z. B. mit der linken Seite in die Nähe des hell erleuchteten Fensters stellt und, wlih- 
rend man ein weisses Papier betrachtet, abwechselnd das linke und rechte Auge schliesst. 
Man sieht dann mit dem linken Auge, welches von dißusem, durch die mit Blut gefüllten 
Häute des Auges eingedrungenen Scitenlicht gegen rothes Licht abgestumpft ist, das Papier 
grün, mit dcm bescbatteten und für jeden Reiz gleich empiiinglichen rechten Auge in der 
wirklichen Farbe, nämlich röthlich. Für die Richtigkeit dieser Erklärung wäre noch auf- 
zuführen, dnss man bei dem vollkommen wcissen elektrischen Kohlenliclnt dies Ausweichen 
aus der Farbe nicht findet, ferner dass bei Maguesiumlicht ein Ausweichen gegen Violet 
stattfindet Warum nennen wir aber das rothe Tageslicht doch weiss? Wir nennen über- 
haupt Körper weiss, wenn sie das dominirende Licht unverändert rcflcctiren. Nach liin- 
gerem Tragen einer blassgrünen Brille wird man gegen das Grün, welches jetzt das do- 
iniuirende Licht ist, endlich so abgestnmph, dass die grüne Farbe der sonst weissen Ge- 
gcnstäindc gar nicht mehr anfällt. Wir nennen bei künstlicher Beleuchtung dieselben Gc- 
genstände wic bei Tage weiss und doch sind sie entschieden gelb, da unsere gewöhn- 
lichen künstlichen Lichtquellen relativ arm an blauen und violetten Strahlen sind. Diese 
Eigenschaft ist die Ursache, dass blaue Stoffe Abends unscheinbar oder grün, falls sie 
ansser dem hlaueu vicl grünes, oder selbst roth erscheinen, falls sie viel rothes Licht, 
welche Sorten im Kerzenlicht reichlicher vertreten sind, retlectiren. Das letztere thuu z. B. 
die Vergissmeinnichtbliimchen. Aus demselben Grunde sind weissc und gelbe l-Iaxidschuhe 
Abends kaum zu unterscheiden, weil sich das für Gelb charakteristische Ahsorptionsver- 
mögen für blaue Strahlen nicht geltend machen kann.
	        
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