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Vcrtheilung der Felder im innem und liussern Ringe beide Ringe vollkommen gleich
neutral grau sind. Man wiirde z. B. zu einem bestimmten feurigen Orange das Cornplemcnt
suchen. ln ChevrenPs Farhenkreisen findet man demselben Blau gegenüber.
Auf dem Kreisel gemischt, gaben diese zwei Farben aber nicht das erwartete Grau,
sondern hell Purpur - Rosa; dieses Blau ist folglich nicht complementlir zu dem Orange,
sondern das Complcment liegt mehr gegen Grün. Man schaltet desshalb noch Grün ein
und findet, dass in diesem Falle die drei Farben auf dem in 100 Thcile getheilten Kreise
sich folgendermaßen vertbeilen müssen , um gemischt Grau zu geben: 27'5 Theile
Orange + 32th Blau + 40 Grün geben ein Gmu, welches in der Mitte des Kreisels durch
345 Weiss + 65'5 Schwarz ebenfalls erhalten wird. Um das Complernent zu Orange
zu finden, braucht man blos den Kreisel im Verhältnisse 32'5 :: 40, also mit 45 Blau und
mit 55 Grün zu belegen und diese Farben durch rasches Drehen zu mischen. Der Beweis,
dass diese Methode richtig ist, wurde geliefert, indem auf dieselbe Weise aus Orange und
Grün das Complemeut zu dem verwendeten Blau gefunden wurde, welches vollkommen in
der Tinte mit einem zu dem Blau complementir gefärbten gelben Papier iibereinstimmte.
Auch mit dem Kreisel gelingt es nur selten, die Complementärfarbe von gleicher physiologischer
Intensität herzustellen. Dies leistet in ganz vorzüglicher Weise Brüek e's Schistoskop.
Im Kalkspath wird bekanntlich jeder gewöhnliche weisse Lichtsnahl in zwei ebenfalls
weiase Lichtstrahlen von der halben Intensität getheilt. Wendet man statt eines
Kalkspsthprisrusfs zwei eigenthümlich geschlißene, sogenannte NicoPsche Kslkspathprismen
an, und legt zwischen dieselben ein ebenfalls doppelthrechendes dünnes Gyps- oder Glimmerplättchen,
so wird ein durchfallender weisser Lichtstrahl unter Umständen in zwei gefiirbte
zerlegt. Da. man sich das weises Licht aus lauter Cumplemsntärfarbenpaaren zusammengesetzt
denken kann, so fällt z. B. in einem Fall auf eine Seite alles blaue Licht, man
bekiinnnt ulso da ein sehr gesiittigtes aber ziemlich wenig intensives Blau; auf die andere
Seite liillt ein physiologisch eben so intensives Gelb, - es ergänzte ja früher das Blau zu
Weins - das aber durch die noch beigemischten übrigen Complementiirfarbenpaare, die
sich immer zu Wciss ergänzen, bedeutend an Sättigung verloren hat. Dies Weiss kann
aber auch glcichrni-Lssig zwischen beide Theilfarhcn vcrtheilt sein; dann sind sie nicht nur
von gleicher physiologischer Intensität, sondern auch von gleicher Sättigung. Legt man
verschieden dicke Gyps- oder Glimmerplättchen unter, so wird das Lieht nach den mannigfaltigsteu
Furbenpaarcn getheilt, was von der Wellenlänge der verschiedenen Lichtsorten
abhängt. Sucht man nun das Complement zu einer Farbe, so sucht man dieselbe zunächst,
indem man verschieden dicke Gypspliittchen unterlegt, und findet dann gleich an der correspondirenden
Stelle des zweiten Sehfeldes genau die Complementärfarbe.
Wcnn man nach einer der eben angegebenen Methoden Blau mit Weiss mischt, so
erhält man nicht ein helleres Blau, sondern ein helles Violet - Lils. Dass nicht etwa
das belgemischte Weiss durch Absorption der blaugrünen Strahlen röthlich sei, beweist
ein Versuch mit blauem Glaso, welches vor das Auge gehalten wird, so dass es blos die
halbe Pupille deckt, während das Auge gegen den mit hellen Wolken bedeckten Himmel
oder gegen eine Schneeiiäche gewendet wird. Dann entsteht an der Grenze des wciss und
blau gefärbten Thciles des Gesichtsfeldes ein lila gefärbter Streifen durch Mischung dieser
beiden Lichtsorten. Wir müssen daraus schliessen, dass das für weiss gehaltene Tageslicht
in der That roth sei. Sehen kann man die rothe Farbe des Tageslichts, wenn man
sich z. B. mit der linken Seite in die Nähe des hell erleuchteten Fensters stellt und, wlihrend
man ein weisses Papier betrachtet, abwechselnd das linke und rechte Auge schliesst.
Man sieht dann mit dem linken Auge, welches von dißusem, durch die mit Blut gefüllten
Häute des Auges eingedrungenen Scitenlicht gegen rothes Licht abgestumpft ist, das Papier
grün, mit dcm bescbatteten und für jeden Reiz gleich empiiinglichen rechten Auge in der
wirklichen Farbe, nämlich röthlich. Für die Richtigkeit dieser Erklärung wäre noch aufzuführen,
dnss man bei dem vollkommen wcissen elektrischen Kohlenliclnt dies Ausweichen
aus der Farbe nicht findet, ferner dass bei Maguesiumlicht ein Ausweichen gegen Violet
stattfindet Warum nennen wir aber das rothe Tageslicht doch weiss? Wir nennen überhaupt
Körper weiss, wenn sie das dominirende Licht unverändert rcflcctiren. Nach liingerem
Tragen einer blassgrünen Brille wird man gegen das Grün, welches jetzt das doiniuirende
Licht ist, endlich so abgestnmph, dass die grüne Farbe der sonst weissen Gegcnstäindc
gar nicht mehr anfällt. Wir nennen bei künstlicher Beleuchtung dieselben Gcgenstände
wic bei Tage weiss und doch sind sie entschieden gelb, da unsere gewöhnlichen
künstlichen Lichtquellen relativ arm an blauen und violetten Strahlen sind. Diese
Eigenschaft ist die Ursache, dass blaue Stoffe Abends unscheinbar oder grün, falls sie
ansser dem hlaueu vicl grünes, oder selbst roth erscheinen, falls sie viel rothes Licht,
welche Sorten im Kerzenlicht reichlicher vertreten sind, retlectiren. Das letztere thuu z. B.
die Vergissmeinnichtbliimchen. Aus demselben Grunde sind weissc und gelbe l-Iaxidschuhe
Abends kaum zu unterscheiden, weil sich das für Gelb charakteristische Ahsorptionsvermögen
für blaue Strahlen nicht geltend machen kann.