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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIX (1884 / 223)

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in denjenigen früheren Jahren berücksichtige, in denen allein die Hand noch bildsam

genug ist. Diese Erweiterung des Lehrprogramms brachte eine Reihe neuer Erfahrungen

auf dem Gebiete der Schule selbst, die sich förmlich zu dem Lehrsatz vereinen lassen,

dass auch auf dem Gebiete der Schule Wissen und Können zweierlei ist. Es hat sich

gezeigt, dass es etwas Anderes ist, eine Sprache zu sprechen, als deren grammatisches

Gefüge zu verstehen; etwas Anderes, zeichnen zu können oder blos die Theorie des

Zeichnens zu wissen. Es hat sich gezeigt, dass Wissen und Können sich gegenseitig

in manchen Beziehungen fördern, dass aber auch viel, sehr viel Selbständiges in jedem

dieser beiden Elemente einer vollständig harmonischen Ausbildung des ganzen Menschen

enthalten ist, was ganz selbstandig vermittelt und gepßegt sein will, wenn es überhaupt

gelingen soll, eine Erkenntniss, welche die alte, rein theoretische Schule gar nicht besitzen

 konnte. So gelangten wir schrittweise zu derjenigen nationalökonomischen Betrachtung

 des Schulwesens, welche heute allenthalben Kunstgewerbe- und Handwerkerschulen

 entstehen lässt und nun auch die Vorbereitung hiezu auf der Unterstufe der

Volks- und Btirgerschule folgerichtig fordert. Wir haben uns überzeugt, dass der Nationalreichthum

 in erster Linie durch die positive Arbeitsleistung in Gewerbe und

Industrie und durch das vorhandene Ausmaß des thatsächlichen Könnens auf diesem

bedingt ist; und wenn wir auch heute noch das geflügelte Wort eines großen Staatsmannes

 unterschreiben: vWissen ist Machtn, so können wir heute demselben den anderen

Satz zur Seite stellen: -Können ist Reichthurnl. Beides im Auge zu behalten, ist für

uns von gleicher Wichtigkeit. Die zahlreiche Versammlung spendete dem Gehorten

reichen Beifall. - Dienstag, den t8. März um 7 Uhr Abends hielt Herr Lehrer A. Bruhns

einen zweiten Vortrag über den vHandfertigkeitsunterricht und seine Bedeutung für die

Familie und das Haus: mit Demonstrationen von Arbeiten aus der ersten Schulwerkstatte.

Literaturbericht.

Kunstgewerbliche Arbeiten aus der culturgeschichtlichen Ausstellung in

Graz 1883. Ausgewählt von Karl Lacher, photographisch aufgenommen

 von Leop. Bude in Graz. Graz, Friedr. Goll, 1884.. F01.

Die Grazer Ausstellung, zur Jubelfeier der (ioojahrigen Zusammengehörigkeit Steierrnarks

 mit dem Hause Habsburg veranstaltet, fand allseitige Anerkennung, sowohl betreffs

ihrer Reichhaltigkeit (7000 Nummern) als Anordnung, so dass jeder, dern es gegönnt

wer, dieselbe zu besichtigen, die vorliegende Publication als kostbare Erinnerungsblatter

willkommen heißen wird. Wer aber die zahlreichen Kunstobjecte, deren sich die herrliche

 Steiermark noch erfreut, und die mit patriotischem Stolze und nachahmenswerther

Bereitwilligkeit von ihren Besitzern, Privaten und Körperschaften, zur Verherrlichung

des Jubelfestes eingeschickt worden waren, nicht selbst bewundern konnte, der linder

des Stoffes zu Freude und Belehrung in Hülle und Fülle, ob er nun bloß als Kunstfreund

an die Durchsicht dieser Blätter herantritt, oder als Lehrer nach Vorlagen für seine

Schüler, oder als Kunstindustrieller nach Vorbildern für seine eigenen Schöpfungen sich

umsieht. Mannigfach nach den verschiedenen Zweigen der Kunstindustrie und mannigfach

nach den vertretenen Stylen, immer aber trefflich in ihrer Art sind die dargestellten Objecte,

 Dank der sorgfältigen und sachkundigen Auswahl durch Professor Lacher. Und

dieser fand den besten Interpreten für seine Absichten in dem Chemiker und Photographen

Bude, dessen Aufnahmen ausgezeichnet sind und voll und ganz auf der Hohe photographischer

 Erzeugnisse stehen. Dazu sind die Lichtdrucke von Naumann 81 Schroeder

in Leipzig als vorzüglich zu bezeichnen, die Aufnahmen gerade in richtigem Maße für

Lehrzwecke, nicht zu groß, was sie vertheuern, nicht zu klein, was ihrer Deutlichkeit

schaden wurde, die Unterschriften über Material, Entstehungszeit und Provenienz der Objecte

 vollauf genügend zur Orieutirung, kurz die ganze Publication ist von einer Art, dass

der Verleger des besten Erfolges sicher sein kann, den er durch die schone Gesammtausstattung

 in reichem Maße verdient. Der Preis von 6 B. für das Heft zu ro Tafeln

- und solcher Hefte sind lO in Aussicht genommen - ist in Anbetracht des Gebotenen

ein mäßiger zu nennen. Nur ein Wunsch sei zum Schluss noch angedeutet: Der Schreiber

dieser Zeilen hatte Gelegenheit, noch etwa go von Herrn Bude aufgenommene, für die

vorliegenden Publication nicht bestimmte Bilder von Ausstellungsobiecten zu sehen, und

auch diese schienen ihm einer Veröffentlichung im lnteresse von Schulen und Industriellen

 in hohem Grade werth. Können wir also vielleicht einer Fortsetzung von

Lacher's Werk entgegensehen? Ch.

s

8.
            
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