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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1868 / 36)

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gegen, die täglich offen ist, nur von lO, der Sonniagsunterricht im Zeichnen

nur von 13 Schülern.

Zur Beleuchtung dieser keineswegs erfreulichen Erscheinung muss

wohl der Umstand in Betracht gezogen werden, dass die Schnitzler im

Grödner Thale arme Leute sind und ihre Kinder selbst zur Arbeit verwenden.

 Jeder vermehrte Besuch der Schule ist zugleich eine Verkürzung

 der Arbeitszeit der Kinder. Würde der Zeichenuntenicht für die

Kinder der Schnilzlsr obligatorisch gemacht werden, so würden ohne

Zweifel mehr Kinder an dem Zeichenunterrichte Antheil nehmen. Wie

der Zeichenunterricht gegenwärtig organisirt ist, nützt er dem Tbale

allerdings sehr wenig. Wenn man durch einen Zeichennnterricht eine

Hausindustrie heben will, so ist unerlässlich nöthig, dass derselbe methodisch

 geleitet und so organisirt werde, dass viele von jenen, die sich

mit dem Schnitzen beschäftigen, auch an demselben Antheil nehmen

können. Auch muss eine solche Zeichenschule einiges Material besitzen,

das zugleich als Vorbild für einzelne Aufgaben, welche die Schnitzler

auszuführen haben, benützt werden kann. Wenn man aber überlegt, dass

das ganze Thal sich ausschliesslich mit Plastik beschäftigt, so wird man

bald zu der Ueberzeugung kommen, dass auch eine besser eingerichtete

Zeichenschule nicht vollkommen hinreichen würde, die Grödner Arbeit

im Ganzen und Grossen zu verbessern und neue Schnitzwaaren in den

Verkehr einzuführen. Das könnte einzig und allein dadurch geschehen,

wenn eine Schule bestünde, welche unmittelbar und allein zum Lehrgegenstand

 haben würde, was Gegenstand der Hausbeschäftigung der

Bewohner des Thales ist.

Eine solche Schule müsste selbstverständlich eine Schule tiir Holzsculptur

 sein. Sie müsste so eingerichtet sein, dass der Lehrer, zugleich

als Bildhauer wirkend, nicht blos eine oHene Lehrwerkstiitte hätte fir

Kinder von Schnitzlern, sondern auch für erwachsene Schnitzler, welche

sich in dieser Schule gelegentlich an Ausführung von Arbeiten betheiligen

 konnten.

Der Sitz dieser Schule müsste in St. Ulrich, dem Hauptorte des

Grödner Thales, sein. Dass man in Innsbruck der Ansicht sein kann,

eine solche Schnitzschule durch Gewerbeschulen zu ersetzen, die den

Realschulen in Innsbruck und Roveredo angehängt sein sollen, ist ein

neuer Beleg für das geringe Versrandniss, das in Oesterreich für Förderung

 der Kunstindustrie herrscht. Die Errichtung einer solchen Schule

hätte auf Landeskosten zu geschehen. Die Landesvertretung und der

Landesausschuss sowie die Handelskammern haben bis jetzt zur Hebung

der Industrie des Landes so ausserordentlich wenig gethan und haben

sich der Grödner Hausindustrie gegenüber bisher so gleiehgiltig verhalten,

 dass es nicht anders als billig wäre, wenn sie die Mittel herbeischaifen

 würden, um eine solche Holzschnitzschule im Grödner Thale zu
            
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